Stadt Bayreuth

10.01.2019

Städtenetz fordert nachdrücklich den Lückenschluss

Der neu beschlossene Ausbau von Bahnstrecken östlich von Nürnberg droht die Franken-Sachsen-Magistrale ins Abseits zu drängen 

Die durchgängige Elektrifizierung der Zugstrecke von Bayreuth über Hof, Plauen, Zwickau, Chemnitz nach Dresden muss schnellstmöglich hergestellt werden, damit der Fernverkehr von Nürnberg nach Dresden bzw. Prag über die Sachsen-Franken-Magistrale erfolgt. Das haben die Mitglieder des Lenkungsausschusses des Sächsisch-Bayerischen-Städtenetzes nachdrücklich während ihrer Beratung am Mittwoch in Plauen gefordert. Aus Bayreuth, Hof, Plauen, Zwickau und Chemnitz sowie neu aus Marktredwitz waren die Oberbürgermeister beziehungsweise deren Stellvertreter im Plauener Rathaus zusammen gekommen.

Eberhard Siller, Brigitte Merk-Erbe, Oliver Weigel, Pia Findeiß und Levente Sárközy (v.l.) demonstrieren Einigkeit in der Forderung nach durchgehender Elektrifizierung der Sach-se-Franken-Magistrale. Foto: Brand-Aktuell
Eberhard Siller, Brigitte Merk-Erbe, Oliver Weigel, Pia Findeiß und Levente Sárközy (v.l.) demonstrieren Einigkeit in der Forderung nach durchgehender Elektrifizierung der Sach-se-Franken-Magistrale. Foto: Brand-Aktuell

Hintergrund ist, dass die Elektrifizierung der in der Oberpfalz als „Metropolenbahn“ bezeichneten Bahnstrecke Nürnberg – Schwandorf – Furth i.W. auf politischen Druck hin nachträglich in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans 2030 aufgenommen wurde und damit die gleiche Dringlichkeit wie der Lückenschluss der Franken-Sachsen-Magistrale genießt. Zusätzlich wird vom Bund auch die Elektrifizierung der Bahnstrecke Nürnberg – Weiden neu angestrebt. Mit dem Ausbau dieser beider Strecken könnten die Personen- und Güterverkehre zwischen Nürnberg und Tschechien von der Franken-Sachsen-Magistrale weg verlagert werden.

„Die seit 2003 laufenden Planungen für die durchgehende Elektrifizierung der Sachsen-Franken-Magistrale müssen unbedingt weiter geführt und endlich umgesetzt werden“, betonte Zwickaus Oberbürgermeisterin Pia Findeiß.

Elektrifizierung schnellstmöglich fertig stellen

Ihre Amtskollegin Brigitte Merk-Erbe aus Bayreuth betonte: „Wir sind uns darin einig, dass der Druck nicht nachlassen darf, die Franken-Sachsen-Magistrale schnellstmöglich fertig zu stellen. Die Städte kämpfen bereits seit der Grenzöffnung 1989 für die Modernisierung der jahrzehntelang vernachlässigten Schienenstrecke.“

„Unsere Bürger werden Umwege von Südwestsachsen nach Nürnberg über Weiden oder Schwandorf nicht akzeptieren. Das bedeutet für sie um eine halbe Stunde längere Fahrzeiten und auch höhere Fahrpreise. Außerdem kann nicht ausgeschlossen werden, dass sie auch dort umsteigen müssen“, mahnt Plauens Baubürgermeister Levente Sárközy. Er betont, „dass wir schnellstmöglich eine direkte Anbindung an den ICE-Knoten Nürnberg brauchen, damit die Zeit des Umsteigens in Hof ein Ende hat“.

Umsteigefreie Verbindungen gefordert

Hofs Bürgermeister Eberhard Siller verwies darauf, dass insbesondere für die Einwohner der Region umsteigefreie Zugverbindungen dringend erforderlich sind. „Auch für das im Bau befindliche Container-Terminal in Hof ist eine durchgängig elektrifizierte Strecke unbedingt erforderlich.“

Auch Oliver Weigel, Oberbürgermeister von Marktredwitz, stellte sich hinter die Forderung, den Zugverkehr von Nürnberg nach Prag wie geplant über Marktredwitz zu führen. Mit der im Stillen vorgenommenen Änderung der Linienführung nach Prag (über Furth i. W.) würde die zwischenstaatliche Vereinbarung aus dem Jahr 1995 verletzt, wonach die Schienenverkehre zwischen Süddeutschland und der Tschechischen Republik über Schirnding und Eger geführt werden sollen, weil dies die am besten geeignete Relation darstellt. Das gilt auch für die Planungen der EU für das transeuropäische Schienennetz, welches die Strecke Nürnberg – Eger – Prag sowohl für die internationalen Personen- als auch Güterverkehre vorsieht.

Lückenschluss über 150 Kilometer

Gleichzeitig verwiesen die Teilnehmer darauf, dass mit der Elektrifizierung der Magistrale von Dresden bis Hof bereits wichtige Investitionen getätigt wurden. Auch in Tschechien ist bis zur bayerischen Grenze die Elektrifizierung vollzogen. Es muss also auf 150 Kilometer der Sachsen-Franken-Magistrale der Lückenschluss vollzogen werden.

Für die Oberbürgermeister und Bürgermeister ist wichtig, dass die bei Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur erforderlichen langfristigen Planungen und Prozesse nicht kurz vor Fertigstellung über den Haufen geworfen werden, weil alternative Vorstellungen aufgedrängt wurden: „Hier erwarten wir einen fachlichen wie politischen Vertrauensschutz, egal wer gerade das Sagen hat“, sind sich die Kommunalpolitiker einig.

Die Forderungen

Vor dem Hintergrund dieses Szenarios formulierten die Stadtoberhäupter daher bei ihrer jüngsten Sitzung fünf Forderungen, die sie an die Bundesregierung, an die Regierungen der Freistaaten Bayerns und Sachsens sowie an die Tschechische Republik richten:

  1. Der Fernverkehr von Nürnberg nach Dresden und Prag muss, wie 1995 zwischenstaatlich für festgelegt, auf der Franken-Sachsen-Magistrale geführt werden.
  2. Die Elektrifizierung der Franken-Sachsen-Magistrale Nürnberg – Dresden/Prag muss wie geplant und schnellstmöglich erfolgen.
  3. Beschleunigung der Planungen und der Genehmigungen für die Elektrifizierung Nürnberg – Marktredwitz – Eger und sofortiger Baubeginn.
  4. Einsatz der weltweit modernsten, damit schnellsten und wirtschaftlichsten Verfahren zur Aufweitung von Tunneln, wie sie in der Schweiz höchst erfolgreich zum Einsatz kommen.
  5. Ausschreibung des Brücken-Tunnel-Abschnitts Vorra – Neuhaus a.d.P. in ausreichend großen Losen, damit die ausführenden Firmen einen optimalen Bauablauf gewährleisten können.