Zum Weltwassertag am 22. März rücken die Stadtwerke Bayreuth ein Projekt in den Mittelpunkt, das zeigt, wie Trinkwasser- und Naturschutz Hand in Hand gehen können: Auf dem Hochbehälter Hohe Warte entsteht eine artenreiche Magerwiese. Sie schützt die Trinkwasserversorgung und schafft gleichzeitig wertvollen Lebensraum für bedrohte Arten.
Wer im Wald hinter dem Festspielhaus spazieren geht, ahnt kaum, dass sich dort ein zentraler Baustein der Bayreuther Wasserversorgung findet: Der Hochbehälter Hohe Warte II speichert gemeinsam mit seinem benachbarten Pendant rund 14 Millionen Liter Trinkwasser und versorgt große Teile des nördlichen und östlichen Stadtgebiets. Die Abdichtung der Behälterdecke haben die Stadtwerke Bayreuth im vergangenen Jahr für rund 200.000 Euro erneuert – eine Maßnahme, die für die Sicherheit der Trinkwasserqualität unverzichtbar war.
„Unsere oberste Maxime lautet: Nichts darf das Trinkwasser verunreinigen“, sagt Helena Skrobranek, Abteilungsleiterin Gas und Wasser bei den Stadtwerken Bayreuth. Die Lage des Hochbehälters mitten im Wald sei dabei Fluch und Segen zugleich. „Auf der einen Seite können wir durch den Höhenunterschied zur Stadt viel Energie sparen, weil wir an dieser Stelle keine Pumpen brauchen. Andererseits sind wir mitten im Wald und es gibt starken Pflanzenanflug – von jungen Bäumen bis hin zu invasiven Arten wie dem Staudenknöterich. Finden Wurzeln auch nur kleinste Schwachstellen, können sie den Beton regelrecht aufsprengen.“ Zwar werde der Bewuchs regelmäßig entfernt, doch manche Arten seien so hartnäckig, dass nur eine vollständig intakte Abdichtung langfristigen Schutz biete. „Deshalb waren die Sanierungsarbeiten so wichtig“, betont Skrobranek.
Suche nach ökologisch sinnvoller Lösung
Nach Abschluss der Arbeiten stand die Frage im Raum, wie die Fläche auf dem Behälter künftig gestaltet werden soll. Einfach wieder Erde aufbringen und die Natur sich selbst überlassen – das wäre aus Sicht des Trinkwasserschutzes riskant gewesen. Also suchten die Stadtwerke nach einer Lösung, die sowohl die technische Anlage schützt als auch ökologisch sinnvoll ist. Die Antwort: eine Magerwiese.
Magerwiesen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Sie entstehen auf nährstoffarmen Böden und bieten ideale Bedingungen für Pflanzen, die auf intensiv genutzten Flächen kaum noch vorkommen. „Auf einem Quadratmeter können Dutzende spezialisierte Arten wachsen – darunter viele, die auf der Roten Liste stehen“, erklärt Helena Skrobranek. „Für Wildbienen, Schmetterlinge oder Heuschrecken ist das ein Paradies.“ Gleichzeitig seien Magerwiesen erstaunlich robust: Sie kommen ohne Düngung aus, benötigen nur ein- bis zweimalige Pflege pro Jahr und sind widerstandsfähig gegenüber Klimaschwankungen.
Gleich zwei zentrale Aufgaben
Für die Stadtwerke Bayreuth wird die Wiese gleich zwei zentrale Aufgaben erfüllen. Sie verhindert, dass tiefwurzelnde Pflanzen – insbesondere Bäume – die Abdichtung beschädigen. Und sie schafft einen wertvollen Lebensraum, der in der Region selten geworden ist. „Wir wollen unsere technischen Anlagen bestmöglich schützen und gleichzeitig die Biodiversität fördern“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Markus Rützel. „Eine Magerwiese ist dafür ideal. Sie zeigt, dass Trinkwasserschutz und Naturschutz keine Gegensätze sind, sondern sich hervorragend ergänzen.“ Dabei spricht er aus Erfahrung: Die Stadtwerke haben in den vergangenen Jahren bereits rund 30.000 Quadratmeter Blühwiesen, mehrere Streuobstwiesen und einen Klimawald im Fichtelgebirge angelegt. „Wir denken Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit zusammen“, sagt Rützel.
Zeichen für nachhaltiges Handeln
Auch Oberbürgermeister Thomas Ebersberger sieht im Projekt ein wichtiges Signal: „Die Stadtwerke Bayreuth setzen hier ein starkes Zeichen für nachhaltiges Handeln. Wir sichern unsere Wasserversorgung und schaffen gleichzeitig ein Stück lebendige Natur. Beides liegt mir sehr am Herzen – aktiver Naturschutz und eine verlässliche Versorgung mit Trinkwasser gehören für mich untrennbar zusammen.“
Jeder kann zum Wasserschutz beitragen
Das Projekt auf der Hohen Warte zeigt, wie vielfältig Wasserschutz sein kann. Gleichzeitig kann jeder im Alltag viel tun, um die Ressource Wasser zu schützen. „Wir investieren viel, um die Versorgung langfristig zu sichern“, sagt Markus Rützel. „Aber Wasserschutz beginnt bei jedem Einzelnen.“
Fünf Tipps für aktiven Wasserschutz
- Leitungswasser trinken – hochwertig, günstig und mit deutlich geringerem CO₂-Fußabdruck als Flaschenwasser.
- Medikamente richtig entsorgen – nicht in Toilette oder Ausguss, sondern in Apotheke oder Hausmüll (bei vollständiger Verbrennung).
- Wasch- und Reinigungsmittel sparsam dosieren – umweltfreundliche Produkte wählen und nach Härtegrad dosieren.
- Schadstoffe vermeiden – Farben, Lacke, Lösungsmittel und Batterien gehören in den Sondermüll.
- Im Garten bewusst handeln – keine chemischen Pflanzenschutzmittel, sparsam gießen, Regenwasser nutzen.
Die Wasserversorgung der Stadtwerke
Die Stadtwerke Bayreuth versorgen das gesamte Stadtgebiet mit Wasser. Rund fünf Milliarden Liter braucht die Stadt pro Jahr. Die stammen zu einem Teil aus der Ködeltalsperre der Fernwasserversorgung Oberfranken, aus Quellfassungen im Fichtelgebirge und aus insgesamt zwölf Tiefbrunnen. In den Wasserwerken auf dem Eichelberg und im Löchleinstal veredeln die Stadtwerke das Rohwasser, indem es gefiltert und überschüssige Kohlensäure entfernt wird, und leiten es zu insgesamt drei Hochbehältern. Sie liegen auf den Anhöhen der Hohen Warte und dem Eichelberg.
Dort können die Stadtwerke gut 24 Millionen Liter Trinkwasser zwischenspeichern. Durch den Höhenunterschied entsteht ein natürlicher Druck, der das Wasser ohne weitere Pumpen zu den Menschen in der Stadt fließen lässt. Lediglich für die höheren Lagen Bayreuths benötigen die Stadtwerke Bayreuth Pumpstationen. Insgesamt betreut das Unternehmen ein Rohrleitungsnetz mit einer Länge von 340 Kilometern. Die Qualität des Trinkwassers überprüfen zum einen Experten der Stadtwerke und zum anderen externe und speziell hierfür zugelassene Labore.
Weltwassertag am 22. März
Der Weltwassertag, 1992 von der UNESCO ins Leben gerufen, findet seit 1993 jedes Jahr am 22. März statt. Er soll das Bewusstsein der Öffentlichkeit für die Ressource Wasser schärfen. Zum Weltwassertag 2018 hat die UN-Weltwasserdekade begonnen, die bis März 2028 andauert und mit der die Vereinten Nationen besonders auf die Themen Wasser und Gewässerschutz aufmerksam machen.
Quelle: Stadtwerke Bayreuth

