Mit einer gemeinsamen Radtour, fachlichen Einblicken vor Ort und großem Interesse der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist die zweite Runde der Programmreihe „Ordentlich schlampig – Lebensraum für Tiere und Pflanzen“ erfolgreich gestartet. Der Auftakt verband Information, Bewegung und unmittelbares Naturerleben – und machte eindrucksvoll sichtbar, wie Biodiversität durch gezielte, naturnahe Maßnahmen direkt vor unserer Haustür gefördert werden kann.
Eröffnet wurde die Veranstaltung am Umweltinformationszentrum Lindenhof durch Landrat Florian Wiedemann und Oberbürgermeister Thomas Ebersberger. Beide betonten die große Bedeutung naturnaher Gestaltung für Artenvielfalt, Lebensqualität und eine klimaangepasste Entwicklung in Stadt und Landkreis Bayreuth. Landrat Wiedemann unterstrich in diesem Zusammenhang, dass Artenvielfalt keine Perfektion brauche, sondern „Vielfalt und manchmal auch den Mut, Dinge einfach wachsen und auch liegen zu lassen“. Mit einer Adaption eines von Joseph von Eichendorff zitierten Gedichtes („Schläft ein Lied in allen Dingen, die da träumen fort und fort, und die Welt hebt an zu singen, triffst du nur das Zauberwort“) brachte er die Leitidee des Projekts auf den Punkt: „Unser Zauberwort kann heute ganz praktisch heißen: naturnah!“.
Oberbürgermeister Thomas Ebersberger wiederum bedankte sich ausdrücklich bei den vielen Netzwerkpartnerinnen und -partnern für die großartige Kooperation im anstehenden Veranstaltungsreigen und schickte die Radler mit guten Wünschen für einen erlebnisreichen Tag und sicherer Fahrt auf Tour.
Im Anschluss startete die Radtour, die bewusst als zentrales Element des Auftakts gewählt wurde. Sie verband unterschiedliche Stationen miteinander und ermöglichte es den Teilnehmenden, ökologische Maßnahmen nicht nur theoretisch kennenzulernen, sondern sie direkt im Stadtraum und in der Landschaft zu erleben.
Erste Station: Teiche im Studentenwald
Eine erste fachliche Station führte zu den neu angelegten Teichen im Bayreuther Süden. Robert Pfeifer, Leiter des Stadtgartenamtes Bayreuth, erläuterte dort anschaulich, wie durch wasserbauliche und landschaftsplanerische Maßnahmen neue Lebensräume entstehen.
Seine Ausführungen zeigten, dass solche Projekte langfristige Prozesse sind, die Planung, Geduld und kontinuierliche ökologische Begleitung erfordern – zugleich aber einen hohen Aufenthaltswert für alle Bürgerinnen und Bürger haben und ebenso einen hohen Mehrwert für Amphibien, Insekten und weitere Tierarten bieten.
Zweite Station: Schlosspark Fantaisie
Im Schlosspark Fantaisie stand eine artenreiche Blühwiese im Fokus. Thomas Pickel vom Verein „Die Summer“ machte deutlich, welches Potenzial in extensiv gepflegten Wiesen steckt: „Ein wahres Paradies und eine große Vielfalt an Pflanzen und Insekten sind hier zu entdecken und viele positive Effekte entfalten sich.“ Solche Flächen sind nicht nur optisch attraktiv, sondern wichtige Trittsteine im Biotopverbund und ein zentraler Baustein für stabile Insektenpopulationen.
Dritte Station: Botanischer Garten
Der Abschluss der Radtour führte in den Ökologisch-Botanischen Garten der Universität Bayreuth (ÖBG). Dort wurde erstmals eine digitale Karte vorgestellt, die künftig „ordentlich schlampige“ Orte, Projektstandorte und Maßnahmen in Stadt und Landkreis Bayreuth bündeln und öffentlich zugänglich machen wird. Sie soll Transparenz schaffen, Wissen teilen und zur Nachahmung anregen. Den inhaltlichen Schlusspunkt setzte eine Führung durch die Ausstellung „Ordentlich schlampig – Lebensraum für Tiere und Pflanzen“, bei der Elisabeth Obermeier (ÖBG) zeigte, wie naturnahe Strukturen gezielt gestaltet werden können, um die Biodiversität dauerhaft zu fördern.
Konzipiert und umgesetzt wurde die Auftaktveranstaltung von Monika Pellkofer und Eva Rundholz, Regionalmanagerinnen von Stadt und Landkreis Bayreuth. Ziel war es, nicht nur über Artenvielfalt zu sprechen, sondern funktionierende Beispiele sichtbar zu machen und den direkten Austausch zwischen Fachleuten, Engagierten und interessierten Bürgerinnen und Bürgern zu ermöglichen.
Starkes Netzwerk
Getragen wird das Projekt von einem starken Netzwerk aus über 25 Kooperationspartnerinnen und -partnern aus Stadt und Landkreis Bayreuth, darunter unter anderem das Umweltinformationszentrum Lindenhof, der Ökologisch-Botanische Garten der Universität Bayreuth, das Stadtgartenamt, die Kreisfachberatung für Gartenkultur und Landespflege, Die Summer e. V., Umwelt- und Naturschutzverbände, Kommunen, Vereine und zahlreiche weitere Initiativen. Dieses breite Bündnis ist die Grundlage dafür, dass Maßnahmen fachlich fundiert, praxisnah und übertragbar umgesetzt werden können.
Umfangreiches Rahmenprogramm
Mit dem gelungenen Auftakt ist der Startschuss für ein umfangreiches Rahmenprogramm gefallen: Über 70 Veranstaltungen von April bis Oktober laden dazu ein, naturnahe Lebensräume kennenzulernen, selbst aktiv zu werden und die Region Bayreuth gemeinsam wilder und bunter zu gestalten. Alle Termine und Informationen finden sich unter www.region-bayreuth.de (Programmreihe „Ordentlich schlampig – Lebensraum für Tiere und Pflanzen“).
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Förderung: Das Projekt wird unter dem Fokus Naturressourcen mit Regionalmanagementmitteln für die Region Bayreuth aus dem Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie gefördert.


