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27.01.2023

Ein Gesprochenes Mahnmal für die Opfer der Shoah

Die Stadt Bayreuth hat eine neue und außergewöhnliche Gedenkstätte am Sternplatz eröffnet

Die Stadt Bayreuth hat am Sternplatz in der Fußgängerzone Maximilianstraße ein akustisches Mahnmal zur Erinnerung an die Bayreuther Opfer der Shoah errichtet. Einen entsprechenden Grundsatzbeschluss hatte der Stadtrat im Jahr 2020 gefasst. Mit dem Mahnmal wird im Herzen der Bayreuther Innenstadt ein würdiges Gedenken realisiert. Die Gedenkstätte wurde jetzt im Rahmen einer feierlichen Enthüllung ihrer Bestimmung übergeben.

Der Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung gegen Antisemitismus, Dr. Ludwig Spaenle, steht an einem Rednerpult. | Foto: A. Harbach
Der Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, Dr. Ludwig Spaenle, sprach anlässlich der Enthüllung des neuen akustischen Mahnmals der Stadt Bayreuth für die Bayreuther Opfer der Shoah am Sternplatz. | Foto: A. Harbach

Rund 100 Gäste waren zur Einweihung des Gedenkortes am Sternplatz gekommen. Bayreuths Oberbürgermeister Thomas Ebersberger betonte die Aufgabe, die Erinnerungskultur in der Stadt  aufrecht zu erhalten, weiter zu entwickeln und auf ein neues Niveau zu heben. „Nur wenn wir die Geschichte nicht vergessen und aus ihr lernen, können wir als Gemeinschaft menschliche und moralische Katastrophen in der Zukunft verhindern“, betonte das Stadtoberhaupt. Dabei gehe es nicht um das Erinnern an die Täter. „Am wichtigsten ist das Gedenken an die unzähligen Opfer des NS-Regimes“.

Als Gastredner war der Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, Dr. Ludwig Spaenle, nach Bayreuth gekommen. Er verwies unter anderem darauf, dass „Erinnern für unser Land bedeutet, dass wir auch in Zukunft für das, was man eine liberale Demokratie nennt, Verantwortung übernehmen.“ Er dankte allen, die den besonderen Platz für das Mahnmal gewählt und die besondere Form des Erinnerns geschaffen haben.

Zum historischen Hintergrund der Gedenkstätte sprach der Bayreuther Historiker, Stadtrat und ehemalige Landtagsabgeordnete Dr. Christoph Rabenstein. Mit Blick auf das Mahnmal sagte er: „Hier wird den Opfern kein Grabstein gesetzt. Nein, sie werden lebendig. Durch die Stimme, durch die wenigen Informationen zu ihrem Leben und Leiden, allgegenwärtig, aus der Vergangenheit in das Heute gebracht.“ Das Mahnmal konfrontiere Passanten unvorbereitet mit dem kollektiven Verbrechen, dem man nach 1945 ebenso kollektiv aus dem Weg gegangen sei.

Außergewöhnliches Erinnern

Für die Ausführung des Mahnmals hat sich die Stadtverwaltung mit der Israelitischen Kultusgemeinde Bayreuth abgestimmt. Mit ihm wird ein außergewöhnliches Erinnern ermöglicht. „Die Opfer der Shoah waren Menschen aus der Mitte unserer Stadtgesellschaft, deren Verlust wir betrauern. Wir wollen als Stadtgesellschaft ein deutliches Zeichen gegen den mancherorts wieder erstarkenden Antisemitismus setzen. Wie wichtig eine ideologiefreie Erinnerungskultur ist, erleben wir gerade in diesen Zeiten, in denen es in Europa wieder Krieg und Vertreibung gibt“, so Oberbürgermeister Ebersberger.

Mit dem Gesprochenen Mahnmal wurde ein würdiges Gedenken an die jüdischen Opfer der NS-Diktatur im Herzen der Bayreuther Innenstadt realisiert. Es versucht nicht, etwas darzustellen, was nicht darstellbar ist, sondern macht den großen Verlust immateriell erfahrbar. Passanten werden Namen sowie Lebensdaten der Opfer nicht durch abstrakte Schriftzeichen vermittelt, sondern durch eine menschliche Stimme. Das Mahnmal spiegelt den aktuellen, der Stadt Bayreuth bekannten Forschungsstand wider, ist aber aufgrund seiner Beschaffenheit anpassungsfähig und kann somit auf neue Erkenntnisse reagieren.

Für den nun realisierten Entwurf hatte der Stadtrat Ende Februar vergangenen Jahres grünes Licht gegeben. Sein Urheber bleibt auf eigenen Wunsch anonym