Kulturelle Bildung in Kommunen stärken

Kulturelle Bildung unter veränderten Rahmenbedingungen sichern: Das stand im Mittelpunkt der Landestagung der bayerischen Volkshochschulen, zu der der Bayerische Volkshochschulverband – der größte Träger für Erwachsenenbildung in Bayern – am 7. Mai 2026 nach Bayreuth eingeladen hatte. Rund 200 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Praxis setzten sich damit auseinander, wie kulturelle Bildungsangebote weiterentwickelt und nachhaltig in Kommunen verankert werden können.

Drei Personen sitzen auf einem Podium und diskutieren. | Foto:
Podiumsgespräch zur Rolle der Volkshochschulen in der kommunalen Kulturarbeit mit Dr. Denis Leifeld (Moderation), Leiter der Volkshochschule Unteres Pegnitztal und Vorsitzender des Diversity-Ausschusses des Bayerischen Volkshochschulverbands, Prof. Dr. Julia Lehner, langjährige Kulturbürgermeisterin der Stadt Nürnberg und Mitglied im Aufsichtsrat des Bayerischen Volkshochschulverbands, sowie Prof. Dr. Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss (rechts), Direktorin und Geschäftsführerin der Bundesakademie für Kulturelle Bildung in Wolfenbüttel und Professorin für Kulturelle Bildung an der Universität Hildesheim. | Foto: Alescha Birkenholz/bvv

Unter dem Leitthema „Kooperativ. Kreativ. Wirksam. Kulturelle Bildung in der Kommune“ rückte die vhs-Landestagung 2026 die Rolle der Volkshochschulen als Orte kultureller Teilhabe und als zentrale Partner in kommunalen Bildungs- und Kulturnetzwerken in den Fokus.

Dr. Ute Eiling-Hütig MdL, Präsidentin des Bayerischen Volkshochschulverbands und Vorsitzende des Ausschusses für Bildung und Kultus im Bayerischen Landtag, unterstrich die zentrale Rolle der vhs: „Volkshochschulen schaffen Räume, in denen Menschen ihre kreativen Potenziale entfalten, sich einbringen und gesellschaftliche Entwicklungen aktiv mitgestalten können. Sie ermöglichen niederschwellige Zugänge zu kultureller Teilhabe für Menschen jeden Alters und unabhängig ihres sozialen Hintergrunds.“

Impulsgeber in Sachen Bildung

Für den neuen Bayreuther Oberbürgermeister Dr. Andreas Zippel, der sein Amt zum 1. Mai 2026 angetreten hat, war die Veranstaltung einer der ersten öffentlichen Termine. In seinem Grußwort betonte er: „Bayreuth ist gerne Gastgeber der diesjährigen vhs-Landestagung. Unsere Volkshochschule ist seit vielen Jahren ein überaus erfolgreicher Bestandteil des im Herzen der Bayreuther Innenstadt angesiedelten RW21, das als Haus des lebenslangen Lernens konzipiert ist. Die breit aufgestellten Bildungsangebote der Volkshochschulen sind heute mehr denn je ein wichtiger Faktor für die Lebensqualität und Attraktivität einer Kommune. In Bayreuth gehört die vhs ohne Zweifel zu den großen Impulsgebern in Sachen Bildung.“

OB Dr. Zippel steht auf einer Bühne hinter einem Rednerpult. | Foto: Alescha Birkenholz/bvv
Grußwort von Dr. Andreas Zippel, Oberbürgermeister der Stadt Bayreuth. | Foto: Alescha Birkenholz/bvv

Gezielte Förderung vonnöten

Prof. Dr. Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss, Direktorin der Bundesakademie für Kulturelle Bildung in Wolfenbüttel, benannte in ihrem Vortrag zentrale Gelingensbedingungen für die nachhaltige Verankerung von Kultureller Bildung in Kommunen: Erforderlich seien ein stärkerer politischer Wille, eine verlässliche finanzielle Ausstattung auf allen Ebenen sowie die gezielte Förderung vernetzter Bildungslandschaften und Kooperationen. Kulturelle Bildung stärke Bildungseinrichtungen als Kulturorte, eröffne neue Zugänge zu Themen wie Demokratie, Nachhaltigkeit und Digitalisierung und fördere durch non-verbale sowie intergenerationelle Formate gesellschaftliche Teilhabe und Integration.

Podiumsgespräch

Im anschließenden Podiumsgespräch hob Prof. Dr. Julia Lehner, langjährige Kulturbürgermeisterin der Stadt Nürnberg und Mitglied im Aufsichtsrat des bvv, hervor, dass Kulturelle Bildung nur dann dauerhaft wirksam sein könne, wenn sie konsequent von den Bedürfnissen der Menschen vor Ort ausgehe. Sie betonte besonders die enge Zusammenarbeit von Kultur- und Bildungseinrichtungen vor Ort, denn gerade durch Kooperationen entstünden vielfältige Angebote, die sich gegenseitig ergänzten und das kulturelle Leben in den Kommunen nachhaltig stärkten. Volkshochschulen sind dabei wichtige Partner in lebendigen kommunalen Netzwerken aus Bildung, Kultur und Gesellschaft.

Deutlich wurde auch das breite Kulturverständnis der Volkshochschulen: Kulturelle Bildung ist einerseits ein eigenständiger Programmbereich – häufig unter dem Titel „Kultur und Gestalten“ – und andererseits eine Querschnittsaufgabe. Das Spektrum reicht von Kunst- und Kulturgeschichte über Malen und Zeichnen, handwerkliche Kurse, Fotografie, Film und Video bis hin zu Literatur, kreativem Schreiben, Musik, Tanz und Theater. Zugleich bestehen enge Verbindungen zu weiteren vhs-Programmbereichen wie Sprachen, Gesundheit, Gesellschaft, Grundbildung oder beruflicher Bildung. In dieser Breite eröffnet Kulturelle Bildung vielfältige Zugänge zur aktiven Teilhabe und lebt wesentlich von Kooperationen mit lokalen Partnern sowie einer starken Verankerung im kommunalen Raum.

Aktuelle Herausforderungen

Neben den inhaltlichen Impulsen der Landestagung des Bayerischen Volkshochschulverbands wurden auch aktuelle bildungspolitische Herausforderungen benannt. Der bundesweite Zulassungsstopp für bestimmte Teilnehmendengruppen in Integrationskursen sowie geplante Neuregelungen zur Freiberuflichkeit von Dozierenden stellen viele Volkshochschulen vor erhebliche Herausforderungen und gefährden bestehende Angebotsstrukturen.

Eine Frau steht an einem Rednerpult. | Foto: Alescha Birkenholz/bvv
Begrüßung durch Dr. Ute Eiling-Hütig MdL, Präsidentin des Bayerischen Volkshochschulverbands und Vorsitzende des Ausschusses für Bildung und Kultus im Bayerischen Landtag, im Balkonsaal des Friedrichsforums Bayreuth. | Foto: Alescha Birkenholz/bvv

Ein besonderer Veranstaltungsort war das Friedrichsforum Bayreuth, das sich derzeit im Probebetrieb befindet und im Oktober 2026 offiziell eröffnet wird. Als modernes Kultur- und Veranstaltungszentrum steht es beispielhaft für eine kommunale Infrastruktur, in der Bildung, Begegnung und Kulturelle Bildung zusammengedacht werden.

Die Landestagung des bvv ist ein jährlich stattfindender Festakt, der sich jeweils einem zentralen Zukunftsthema der Erwachsenenbildung widmet. Sie bringt Akteurinnen und Akteure aus Erwachsenenbildung, Politik und Gesellschaft zusammen, um Entwicklungen zu diskutieren und Impulse für die Weiterentwicklung der Volkshochschularbeit in Bayern zu setzen. Traditionell findet sie am Vorabend der nicht-öffentlichen Mitgliederversammlung des Bayerischen Volkshochschulverbands statt und wird jedes Jahr in einem anderen bayerischen Regierungsbezirk ausgerichtet.

Quelle: Bayerischer Volkshochschulverband e.V.