Das Festspielhaus – Ort der Musik

1871 wählte Richard Wagner Bayreuth als künftigen Ort seiner Festspiele. Das Markgräfliche Opernhaus war der Grund, der Richard Wagner nach Bayreuth führte. Seine Gattin Cosima hatte im Baedecker geschmökert und das Markgräfliche Opernhaus entdeckt. Noch damals besaß es die größte Bühne in Deutschland – Richard Wagners Interesse war geweckt. Dazu kam die Lage der Stadt, nahezu auf halben Weg zwischen München und der neuen Reichshauptstadt Berlin, aber noch im Herrschaftsgebiet seines Gönners Ludwig II gelegen.

Blick aufs Festspielhaus
Foto: Ramona Schirner.

Durch die Tatsache, dass das Markgräfliche Opernhaus für das Wagnersche Musiktheater zu klein, zu prunkvoll, zu sehr auf absolutistischen Pomp und Repräsentation ausgerichtet war, ließ sich Richard Wagner keineswegs abschrecken. Ein Festspielhaus musste her, in Bayreuth! Und das, obwohl sogar ein sicher attraktives Angebot aus Chicago vorgelegen haben soll und König Ludwig das Festspielhaus lieber in München gesehen hätte.

1872: Der Grundstein wird gelegt

Nachdem sich erste Entwürfe Gottfried Sempers zerschlagen hatten, beauftragte Richard Wagner den Leipziger Architekten Otto Brückwald, der Grundzüge der Pläne Sempers übernahm. 1872 wurde der Grundstein gelegt, das Haus sollte über den Verkauf von Patronatsscheinen finanziert werden, was zunächst nicht den gewünschten Erfolg hatte, so dass König Ludwig die Fertigstellung mit einem Kredit über insgesamt 400.000 Mark  sicherstellen musste.

Die ersten Festspiele: Mythos Bayreuth nimmt seinen Anfang

Die ersten Festspiele wurden schließlich 1876 unter den Augen Kaiser Wilhelm I. und des brasilianischen Kaisers Dom Pedro II. mit der Uraufführung des Ring des Nibelungen eröffnet. Die Liste der anwesenden Komponisten liest sich wie ein who is who der klassischen Musik der Epoche: Tschaikowsky, Grieg, Gounod, Bruckner, Liszt und Saint-Saëns. Der Mythos Bayreuth, an dem das Haus entscheidenden Anteil hat, nahm seinen Anfang.

Konzipiert nach Vorbildern der Antike

Doch was war und ist bis heute das Besondere am Bayreuther Festspielhaus? Wie kommt es, dass das Festspielhaus, seinerzeit mit relativ bescheidenen Mitteln als reines Sommertheater gebaut, in einem Atemzug mit der Met in New York oder dem Sydney Opera House genannt wird? Woran liegt es, dass beispielsweise Placido Domingo in einem TV-Interview das Festspielhaus in Bayreuth unter alle großen Opernhäuser der Welt zum Besten erklärte?

Ganz sicher nicht an der schlichten, roten Backsteinfassade, die eher an einen Industriebau des 19. Jahrhunderts erinnert als an ein Opernhaus. Wohl auch nicht an der, für sich gesehen, durchaus interessanten Tatsache, dass Wagner das Festspielhaus nach Vorbildern der Antike konzipierte. Alle 1937 Plätze liegen in direkter Blickrichtung zur Bühne und über den steil ansteigenden Rängen des Zuschauerraums spannt sich illusionistisch das Sonnensegel des griechischen Theaters.

Hervorragende Akustik

Ganz sicher jedoch liegt der hervorragende Ruf des Hauses an der Holzbauweise des Zuschauerraums und der ganz hervorragenden Akustik. Sicher auch am bis zu 12 m tiefen Orchestergraben, der den Klang des verdeckt spielenden Orchesters auf indirektem Weg in den Zuschauerraum entweichen lässt. Natürlich auch am Festspielorchester selbst, das sich aus den besten Musikern großer deutscher Orchester zusammensetzt und das als bestes Wagnerorchester überhaupt gilt. Nicht nur dem Orchestergraben scheint der weiche, dunkle Klang des Hauses zu entspringen, sondern geradewegs den Abgründen der wagnerschen Mythologie selbst.

Auch dass die Sänger in Bayreuth besser zu verstehen sind als anderswo, ist der Architektur des Hauses zu verdanken. Da das Orchester zum großen Teil nicht vor, sondern unter der Bühne sitzt, ergibt sich ein fast unmittelbarer Sängerkontakt zum Publikum. Der Orchesterklang, vom gewölbten Wall des Grabens zunächst an die Bühnenrückwand geworfen, trägt die Stimmen der Sänger gleichsam hinaus ins Publikum.

Das historische Festspielhaus

Weitere Informationen über das Festspielhaus und seine Baugeschichte sowie zahlreiche Fotos finden Sie auf der offiziellen Homepage der Bayreuther Festspiele unter www.bayreuther-festspiele.de.

Anschrift:
Festspielhügel 1-2
95445 Bayreuth
Telefon: 0921 78780