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Potenzialstudien

Potenzialstudien sind datenbasierte Abschätzungen, in welchen Handlungsfeldern die Stadt Möglichkeit hat, besonders viel im Klimaschutz zu bewegen. Es sollen acht Handlungsfelder gesondert untersucht werden, in denen die Stadt ein besonders großes Einsparungspotenzial erwartet.

Handlungsfelder der Potenzialstudien

Sanierungen von Schulen, kulturellen Einrichtungen oder Verwaltungsgebäuden sind in Kommunen ein wichtiges Thema. Häufig können dabei energetisch enorme Verbesserungen erreicht werden, die nicht nur CO2 einsparen, sondern auch die Energiekosten senken. Eine genaue Untersuchung, was für Maßnahmen sinnvoll sind und welche Fördermöglichkeiten es gibt, ist Teil dieser Potenzialstudie. Dabei hilft das Energiedatenmanagement der Stadt, in dem die genauen Verbräuche von etwa dreißig der energieintensivsten Gebäude festgehalten werden.

Außenansicht Neues Rathaus

Alte Straßenlaternen verbrauchen oft sehr viel mehr Strom als neue LED-Leuchten. Inzwischen ist das LED-Licht auch nicht mehr grell-blau, sondern in vielen, auch tierfreundlicheren Varianten zu haben. In Bayreuth sind schon etwa 2000 Leuchten ausgetauscht worden. Die Potenzialstudie soll ermitteln, in welcher Reihenfolge und mit welchen Leuchten ein Austausch der verbleibenden Leuchten sinnvoll ist.

Die unterschiedlichen Nutzungsarten von Flächen, sei es als Wohnfläche, Park oder Industriegebiet, die Infrastruktur von Verkehrswegen und die Gestaltung von Quartieren können erheblichen Einfluss darauf haben, ob sie einerseits das Stadtklima beeinflussen, und ob sie andererseits die Bürger*innen zu klimafreundlichem Verhalten und klimafreundlicher Mobilität animieren. Die Potenzialstudie soll als richtungsweisende Anbahnung eines vertieften Entwicklungskonzeptes für die Stadt unter Federführung des Stadtplanungsamtes dienen. Die Ideen und Vorstellungen der Bürger*innen sollen hier durch einen Beteiligungsprozess mit einfließen.

Ein gutes Beispiel für die regulativen Möglichkeiten der Stadt in der Flächennutzung ist die neue Freiflächengestaltungssatzung, mit der die Stadt Bayreuth eine qualitativ hochwertige Begrünung der Baugrundstücke sicherstellen (Ortsbildgestaltung) und damit gleichzeitig das Stadtklima verbessern will.

Im ganzen Stadtgebiet wird damit die Gestaltung der unbebauten Flächen der Grundstücke/Vorgärten geregelt.

Flächennutzungsplan Stand 19.05.2017

Versiegelte Flächen erwärmen sich anders als feuchte Grünflächen, die Höhe und Dichte der Bebauung kann die Luftbewegung beeinflussen und damit die Erwärmung bestimmter Bereiche der Stadt gegenüber anderen erhöhen. Das Stadtklima hat dadurch „Hotspots“, die bei steigenden Jahresdurchschnittstemperaturen und Spitzentemperaturen besonders für empfindliche Menschen gesundheitsgefährdend werden können. Das Forschungsprojekt MiSKOR der Universität Bayreuth, gefördert in einem Verbundprojekt des Staatsministeriums für Gesundheit, befasst sich mit diesen Gesundheitsaspekten.

Außer der Temperaturveränderungen gibt es weitere Folgen, die der Klimawandel mit sich bringen wird, wie Dürreperioden, Extremniederschläge und Bodenabtrag oder Starkwindsituationen. Die Potenzialstudie wird sich mit der Risiko- und Betroffenheitsbewertung befassen, mit dem Fokus auf der Speicherung von Wasser für Trockenperioden und Rückhalt von Wasser aus Extremniederschlägen.

Logo MISKOR

Für die klimafreundliche Mobilität von Bürger*innen ist derzeit eine Neuauflage des Verkehrsentwicklungsplans und ein Radpendlerkonzept in Arbeit. Federführend in dieser partizipativen Planung ist das Stadtplanungsamt.

In der Potenzialstudie im Rahmen des Klimaschutzkonzeptes geht es hingegen in erster Linie um den städtischen Fuhrpark und die Mitarbeitermobilität. Dabei sollen die Ideen des Digitalisierungskonzeptes und die Maßnahmen des Klimaschutzkonzeptes Hand in Hand gehen.

Ladesäule und Elektroauto

Die Abwärme bei Müllverbrennung kann ebenso genutzt werden wie Deponiegase oder Biogas aus organischen Resten. Warmes Abwasser kann im Gegenstromprinzip Luft aufheizen und Kläranlagen können durch geschickten Einsatz von Faulgasen einen Teil ihres eigenen Strombedarfs decken. Die Potenzialstudie soll herausarbeiten, in welchen Bereichen Bayreuth schon fortgeschritten ist und ob es noch Potenziale zur Energieeinsparung oder Energieerzeugung gibt.

„Wäre das Internet ein Land, so hätte es weltweit den sechstgrößten Stromverbrauch“ titelte die Umweltorganisation Greenpeace 2017. Seitdem sind die Datenmengen, die im Netz hin- und hergeschickt und auf Servern gespeichert werden, nicht weniger geworden. Auch die Stadt Bayreuth hat Server, die Energie benötigen und Hitze erzeugen, aber es wird seit längerer Zeit auf Energieeffizienz gesetzt. Auch die Endgeräte, die im Einsatz sind, sind größtenteils sehr energieeffiziente Thin Clients und Notebooks mit dem EnergyStar. Ob es noch weitere Potenziale für Einsparung oder Abwärmenutzung gibt, soll in der Potenzialstudie beurteilt werden.

Wenn Bund, Länder, Kommunen, kommunale Betriebe und Bildungsbetriebe einkaufen, spricht man von öffentlicher Beschaffung, oder auf Englisch: von Procurement. Durch diese Beschaffung sind Kommunen ein Wirtschaftsmotor: etwa 15 Prozent des Bruttoinlandsproduktes werden jedes Jahr von der öffentlichen Hand für Beschaffungen ausgegeben, etwa die Hälfte davon von Kommunen. Dadurch kann die Kommune Einfluss auf den Markt nachhaltiger Produkte nehmen. Beschaffungen können dabei von Umweltpapier (das Bayreuth schon seit vielen Jahren ausschließlich bezieht) und Büromaterialien über elektronische Geräte und Möbel bis hin zu Baustoffen und schwerem Gerät für den Bauhof gehen. An welchen Stellen die Beschaffung noch klimafreundlicher gestaltet werden kann, ist Fragestellung der Potenzialstudie.

Das Kleinklima in der Stadt ist nicht überall gleich. Manche Tallagen sind durch Kaltluftseen geprägt, an anderer Stelle mag es an warmen Tagen deutlich heißer sein als in der Umgebung. Steigende Durchschnitts- und Extremtemperaturen machen die Kaltluftentstehung und Ausbreitung von Luftmassen in der Stadt zu einem Gesundheitsthema. Seit 2018 werden diese Zusammenhänge für Bayreuth von der Universität Bayreuth im Projekt MiSKOR (Minderung städtischer Klima- und Ozonrisiken) als Teil des Verbundprojektes Klimawandel und Gesundheit erforscht. Kern des Projektes ist ein in Bayern einzigartiges Messnetzwerk: Im ganzen Stadtgebiet liefern fünfzehn Messstationen (plus eine zusätzliche Langzeitstation im Ökologisch Botanischen Garten) Echtzeitdaten zur Sonnenlichtstärke, Lufttemperatur und -feuchte, Niederschlag, Luftdruck, Windrichtung und Geschwindigkeit, Blitzanzahl und Blitzentfernung. Die Wetterdaten können hier eingesehen werden; sie dienen der Erfassung der kleinräumigen Unterschiede des städtischen Mikroklimas und als Grundlage für die computerunterstützten Stadtklimasimulationen. Für den Ökologisch-Botanischen Garten gibt es auch langfristige Klimastatistiken.

MiSKOR hat zum Ziel, durch besseres Ursachenverständnis den Wärmeeffekt und das Schadrisiko durch Luftschadstoffe in mittelgroßen Städten vermindern oder vermeiden zu können. Im Juni 2019 berichtete Prof. Dr. Thomas in der Stadtratssitzung über die Klimaentwicklung und speziell über das Dürrejahr 2018. Die Folien zu seinem Vortrag „StadtKlimaWandel in Bayreuth“ sind hier abrufbar.

Die unterschiedlichen Stadtklimate wurden bereits im Jahr 2000 durch Messkampagnen bewertet, als der Flächennutzungsplan aufgestellt wurde. Mehr zur Stadtklimaanalyse hier.