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Wer war Friedrich Feustel und wie kam er nach Bayreuth?

Kursiver Text weist auf Quellen des Stadtarchivs hin.

Der am 22. Januar 1824 in Egern geborene Friedrich Feustel kam als zweieinhalbjähriges Kind in die Heimatstadt seines Vaters, nach Bayreuth zu seinen Tanten in Pflege. Nach der Volksschule und der Lateinschule besuchte er Kurse in der Gewerbeabteilung der Königlichen Kreis-Landwirtschafts- und Gewerbeschule (Schuljahresbericht). Anschließend erlernte er vom 1. Januar 1838 bis 21. Februar 1843 in Bayreuth das Handlungsgewerbe bei Kaufmann Sophian Kolb (Lehrbrief, siehe rechts im Bildkarussel).  Vom Juli 1843 bis 1844 arbeitete er als Handlungskommis beim Mineralwerk in Altsattl (Bezirk Falkenau/Böhmen) (Zeugnis, siehe rechts im Bildkarussel), um danach wieder nach Bayreuth zurückzukehren und in der Getreide- und Mehlgroßhandlung Kolb als Buchhalter zu arbeiten. Am 24. Juni 1847 legte er die Gewerbeprüfung in Bayreuth mit der Note „gut“ ab (Zeugnis, siehe rechts im Bildkarussel). Seine Entlassung aus dem Militärdienst wegen Untauglichkeit belegt sein Militärentlassungsschein.

Gesuch auf Ansässigmachung 1847
StadtABT, StVBT, Nr. 14149: Konzessionsgesuch 1847

Am 6. August 1847 stellte der 23jährige Handlungskommis Friedrich Feustel beim Stadtmagistrat Bayreuth einen Antrag auf Ansässigmachung in der Stadt Bayreuth. Dazu legte er zur Erfüllung der gesetzlichen Vorschriften verschiedene Dokumente vor, die sich in einer Akte hier im Stadtarchiv erhalten haben.

Das  Gesuch auf Ansässigmachung wurde vom 10. August bis 9. September 1847 vier Wochen lang öffentlich ausgehängt. Nach der Bezahlung der fälligen Gebühren erhielt Feustel am 17. September 1847 die Konzessionsurkunde ausgehändigt und leistet den Eid ab. Gleichzeitig wurde ihm die Erlaubnis zur Verehelichung mit Marie Luise Ulrike Josephine Kolb, der einzigen Tochter seines Prinzipals Sophian Kolb, erteilt. Für die Braut liegt eine Abschrift ihres Taufeintrags bei. Nun konnte er sich in Bayreuth niederlassen und heiraten.

 

Die Heirat mit Louise Kolb am 24. Oktober 1847 ist im Kirchenbuch von St. Johannis eingetragen, die Geburten der Kinder im Taufregister der Stadtkirche, da es  zu dieser Zeit noch keine Standesämter gab. Die Ehefrau Louise Feustel verstarb am 10. November 1879 (Sterberegister Bayreuth Nr. 466/1879). Der Witwer heiratete nach Erledigung der entsprechenden Formalitäten – Aushang des Aufgebotes nicht nur am Rathaus Bayreuth, sondern auch in Cannes/Südfrankreich, dem Aufenthaltsort der Braut Margaretha „Meta“ Knoblauch – 1881 in zweiter Ehe.

Aufgebot 1881 Cannes
StadtABT, StVBT, Nr. 14149: Aufgebot

Quelle, v.a.:

  • StadtABT, StV BT, Nr. 14149: Ansässigmachung des Handlungskommis Friedrich Feustel von Egern und Verehelichung mit der Kaufmannstochter Marie Louise Ulrike Josephine Kolb. Geplante Ansässigmachung in Leipzig. Wiederverehelichung mit der Kaufmannstochter Margaretha Knoblauch von Berlin. 1847, 1859, 1881
Traueranzeige Friedrich Feustel im Bayreuther Tagblatt 1891

Kommerzienrat Friedrich von Feustel, der 1889 das Ritterkreuz des Königl. Verdienstordens der Bayerischen Krone, verbunden mit dem persönlichen Adel, verliehen bekommen hatte, verstarb am 12. Oktober 1891 in Bayreuth im Alter von 67 Jahren 9  Monaten an chronischer Nierenentzündung (Sterberegister Bayreuth Nr. 423/1891 und Nr. 12572/12 Leichenschauschein). In der Bayreuther Zeitung erschien neben der Todesanzeige der Familie ein umfangreicher Nachruf (Bayreuther Tagblatt Nr. 284 vom 13.10.1891, Mikrofilm). Sein Leichnam wurde nach einer Trauerfeier in seinem Wohnhaus zur Verbrennung ins Krematorium nach Gotha gebracht, die Urne wurde in der Kolbschen Familiengruft auf dem Friedhof St. Johannis beigesetzt. Seit dem Abbruch der Gruft steht die Urne auf einer Säule im Garten des Riedelsguts in Friedrichsthal.

Quellen, v.a.:

  • Bayreuther Tagblatt
  • Sterberegister des Standesamtes 1891
  • StV BT, Nr. 12572/12: Leichenschauscheine

Nützliche Recherchehinweise

Hilfestellungen zu Personenrecherchen

Zentrale Bestände und Findhilfsmittel 19./20. Jahrhundert:

Zeitungen:

  • Die verfilmte Bayreuther Zeitungen 1813-1967 können im Lesesaal des Stadtarchivs eingesehen und reproduziert werden.