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Unsere Objekte des Monats

Titelbild Rubrik "Objekt des Monats"

Jeden Monat präsentieren wir im Nordbayerischen Kurier ein besonderes Stück aus unserer Sammlung. Falls Sie es in der Zeitung verpasst haben sollten, können Sie hier noch einmal nachlesen.

Klicken Sie dazu einfach unten auf das „+“ vor dem jeweiligen Monat, um das entsprechende Objekt zu sehen.

Sie werden überrascht sein, welche spannenden Geheimnisse und Geschichten sich hinter unseren Objekten verstecken!

Objekt des Monats April 2021

Ein wenig sieht es aus wie ein moderner Bambus-Kaffee-Becher für unterwegs, tatsächlich stammt das Objekt des Monats April aber aus dem 18. Jahrhundert. Die Bayreuther Bäckerszunft bewahrte in dieser 30cm hohen, gedrechselten Holzdose ihren „Willkomm“ auf, einen silbernen Pokal, der für das Brauchtum der Zünfte vom Mittelalter bis in die Neuzeit von großer Bedeutung war. Der Zunftalltag war neben der Arbeit auch durch allerlei Rituale geprägt: Mit dem Willkomm reichte man einem Gast – zum Beispiel einem Gesellen auf der Walz – einen Gasttrunk. Der bis zum Rand mit Wein oder Bier gefüllte Willkomm musste dann vom Gast komplett und ohne Verschütten ausgetrunken werden.

Der Willkomm, der in dem hier gezeigten Behälter aufbewahrt wurde, ist zwar verschollen, aber auch eine auf den ersten Blick unscheinbare leere Hülle kann voller spannender Geschichten stecken. Zunächst einmal erzählt uns die Inschrift auf dem Behälter einiges über den Willkomm selbst:

„Im Jahre 1704 wurde von Handwercks wegen dieser Willkomm angeschafft, er wurde verfertigt zu Nürnberg bei Goldschmit Hyronimus Faber, wiegt 42 1/8 Loth Silbergewicht […] und kostete 50 fränkische Gulden und 24 Kreuzer, dann für Bothenlohn und Trinkgeld 5 [weitere] fränkische Gulden.“

Der Umstand, dass der Willkomm verschollen und der Behälter heute leer ist wiederum, ist Zeugnis der Geschichte des Historischen Museums selbst. Lange Zeit war das einstige „Stadtmuseum“ in den Räumen des Neuen Schlosses untergebracht. Der Willkomm war in der „Großen Zunftstube“ zusammen mit anderen rituellen und repräsentativen Objekten der Bayreuther Zünfte ausgestellt. 1945, in den Wirren des Krieges und einer von Bomben und Feuer zerstörten Stadt, wurden die unbewachten Museumsräume geplündert. Man nahm zum Überleben was man kriegen konnte und der große, silberne Pokal der Bäckerszunft war sicher einige warme Mahlzeiten wert. Die vermeintlich wertlose Hülle ließ man zurück – ein Glücksfall für das Historische Museum, denn Geschichten lassen sich nicht nur mit Silber erzählen. Manchmal tut es eben auch ein leerer Behälter aus Holz.

Objekt des Monats März 2021

Diese „Minischaufel“, wie sie von jungen Besuchern oft genannt wird, gehört zu den ältesten Objekten in der Sammlung unseres Museums – und gerade als Objekt des Monats März im Nordbayerischen Kurier gewesen. Sie stammt aus dem Mittelalter und wurde bei archäologischen Grabungen im Vorfeld des Umbaus der „Alten Lateinschule“ zum Historischen Museum Bayreuth 1989/90 gefunden – etwa dort wo heute der Empfangstresen steht.

Einige werden vielleicht sogar erraten, worum es sich bei diesem Stück tatsächlich handelt: Es ist ein Griffel. Man verwendete ihn zum Schreiben auf Wachstäfelchen. Der 7,3cm lange, bronzene Griffel trägt eine sogenannte „S-Z-Ornamentierung“ und hat ein Schaufelförmiges Ende (die o.g. „Minischaufel“), mit dem man nach dem Schreiben das Wachs wieder glätten konnte.

Seit der Antike schreibt man mit Griffeln (meist aus Holz oder Elfenbein) auf Wachstäfelchen. Im Mittelalter war der häufigste Beschreibstoff Pergament, das aus Tierhäuten (meist Schaf oder Ziege) hergestellt wurde und deshalb recht teuer und wenig nachhaltig war. Papier wurde in Deutschland erst seit dem Ende des 14. Jahrhunderts hergestellt. Für einfache Notizen, Rechnungen oder um das Schreiben zu erlernen, waren die stets wiederverwendbaren und einfach herzustellenden Wachstäfelchen deutlich praktischer.

Genau datieren lässt sich unser Griffel leider nicht. Naheliegend ist es natürlich eine Verbindung zur Lateinschule anzunehmen. Vergleichsfunde zeigen aber, dass solche Griffel mit S-Z-Dekoration häufig im Zusammenhang mit größeren kirchlichen Baustellen des 12. bis 14. Jahrhunderts auftreten. Vielleicht wurde der Griffel also schon beim Bau der ersten Stadtkirche um 1200 verloren oder vielleicht stammt er von einem der Vorgängerbauten der Alten Lateinschule aus dem 14./15. Jahrhundert? Trotz Minischaufel bleibt dieses Geheimnis wohl vorerst vergraben.

Die Hungermedaille

Objekt des Monats Feb 2021

Öfter noch als heute war es im 18. und 19. Jahrhundert beliebt Medaillen für denkwürdige Ereignisse zu prägen. Auch diese Medaille aus dem Historischen Museum Bayreuth, geprägt im Jahr 1773, erinnert an ein solches Ereignis. Sie ist voller Symbole und Andeutungen, die nicht leicht zu entschlüsseln sind:

Auf der Vorderseite sitzt die personifizierte Hoffnung, erkennbar durch den Anker als Attribut, und zeigt auf eine Schnecke, ein Symbol der Auferstehung. Links am Rand sieht man Noahs Arche, darüber eine Taube. Umlaufend kann man die Worte „Die Hoffnung besrer Zeiten“ lesen und im Abschnitt unten die Frage: „Wenn (Wann) kommt sie“.

Auf der Rückseite steht ein ovaler Schild auf einem Podest und verteilt in dieser Szene kann man lesen: „Sie fragt nach guten Leuthen. Züchtig, gerecht, gottselig. Hier ist keiner, nicht einer. Wo sind sie?“ Geprägt wurde dieser „Dantes“ (Medaille) von Johannes Chrisitan Reich in Fürth (Signatur „RE:IN. – FURTH“).

Das Ereignis, an das hier erinnert werden soll, ist die große Hungersnot in den Jahren 1770 bis 1772. Heftiger Schneefall, anhaltendes Regenwetter und Hagel, die sogar für die „kleine Eiszeit“ extrem ausfielen, sorgten für drei Missernten in Folge. In Ungarn und Tirol soll es sogar bis in den Juli hinein geschneit haben. Die Ernteausfälle waren in ganz Mittel- und Osteuropa zu spüren. Der Getreidepreis stieg bereits im Herbst 1770 um über die Hälfte des Sommerpreises. Markgraf Alexander von Ansbach und Bayreuth ließ die Grenzen gegen Nürnberg schließen und verbot die Ausfuhr von Getreide.

Wie die Worte auf der Münze ahnen lassen, war man bemüht einen Schuldigen für die Krise zu finden. Um den Unmut der Bevölkerung von sich abzuleiten, setzte die Obrigkeit deshalb auf ein altbewährtes Mittel: Die eigene Sündhaftigkeit der Hungernden wurde als Grund für diese Gottesstrafe erkannt. Als die Krise – auch dank Getreidelieferungen von der Ostsee – endlich überstanden war, ließ der Markgraf diese Medaillen prägen und sorgte für die Einrichtung von Getreidemagazinen.

Hochprozentige Literatur!

Objekt des Monats Dez 2020

Sechs Bücher aus der Zeit zwischen 1750 und 1800 mit feinen Ledereinbänden und goldgeprägten, französischen Titeln. Eines der Bücher soll Französischlektionen enthalten, ein anderes handelt angeblich von Kirchenvätern. Der Schnitt, also die sichtbaren Blattkanten, sind rot eingefärbt oder marmoriert, wie es damals üblich war.

In Wirklichkeit ist keines dieser Bücher lesbar. Sie sind nur Fassade für einen versteckten Schnapsflakon und vier Gläschen (von denen nur noch zwei erhalten sind). Der vermeintliche Bücherstapel lässt sich in der Mitte öffnen, wie auf dem Bild zu sehen.

In einem Bücherschrank aufgestellt, sahen die Bände völlig harmlos aus. Man musste schon genau wissen, hinter welchen Titeln sich der hochprozentige Inhalt verbarg. Der Alkohol wurde auf diese Weise Langfingern und Schluckspechten gesichert.

Wie gut die Täuschung funktioniert, haben auch die Museumsmitarbeiter gemerkt, als sie das Objekt für diesen Artikel raussuchen wollten. Die Bücher standen unbemerkt zwischen ihresgleichen in der Bibliothek des Museums und sind dort bisher niemandem aufgefallen. Sie hätten dort wohl auch noch lange Zeit gestanden, hätten wir sie Ihnen heute nicht präsentiert.

Gefährlicher Weihnachtsgruß

Objekt des Monats Dez 2020

Diese Postkarte mit dem schwedischen Weihnachtsgruß „God Jul“ ist ein Exportprodukt aus Bayreuth. Hergestellt wurde es im ehemaligen Dragon-Werk, das 1888 von Georg Wild begründet wurde.

Dragon produzierte Glas- und Eisenglimmer (auch Brokat- oder Stahlglimmer genannt) und verzierte damit Tapeten, Trauerkränze, Wetterhäuschen und viele andere Produkte. Für die Verzierung von Weihnachtsschmuck und Postkarten verwendete man einen besonderen Glasglimmer, der in einem von Georg Wild entwickelten Verfahren versilbert wurde. Das Licht wird in den versilberten Glassplitterchen reflektiert und erzeugt damit den Effekt von glitzerndem Schnee. Diese Postkarten waren auf der ganzen Welt beliebt und wurden – wie dieses Objekt des Monats zeigt – auch nach Schweden exportiert.

Solche vermeintlich harmlosen Glimmerverzierungen gerieten jedoch schon bald in Verruf. Die Vertrauensärzte der Post schlugen als Erste Alarm: Die kleinen Glas- und Metallteilchen, die von den Postkarten abfielen, konnten von Postboten eingeatmet werden und verursachten starken Hustenreiz und schädigten die Lunge. 1901 verkündete schließlich der Staatssekretär des Reichspostamtes, Reinhold Kraetke, dass im innerdeutschen Postverkehr keine Ansichtskarten mit Glimmerverzierung mehr „offen“ (also ohne Briefumschlag) versendet werden durften.

Die Produktion des Glimmers wurde allerdings nicht untersagt. Daher ist auch nicht wirklich nachweisbar, wann die hier gezeigte Karte hergestellt wurde. Ob und wie Dragon auf die gesundheitlichen Bedenken der Ärzte reagiert hat, ist leider nicht überliefert. In den 1950er Jahren erzählte man sich bei Dragon kurioserweise, dass der Versand von Glimmerpostkarten verboten wurde, weil sich ein Postbote daran geschnitten und eine Blutvergiftung erlitten hätte. Ob diese Erklärung absichtlich zur Beruhigung der Arbeiter gestreut wurde oder die Geschichte einfach im Laufe der Zeit verwaschen wurde – wie es mit solchen Geschichten häufig passiert – lässt sich heute aber nicht mehr sagen.

Ein verfrühter Gesellenbrief

Objekt des Monats Nov 2020

Dieser Gesellenbrief sieht auf den ersten Blick wie ein hochoffizielles Dokument für einen ehrbaren Handwerker aus. Er wurde am 16. Februar 1779 für den Sattlergesellen Johann Wolfgang Hoffmann in Bayreuth ausgestellt. Wer aber genau hinsieht, wird schnell stutzig.

Damit man den Besitzer dieses Gesellenbriefs auch identifizieren konnte, war es üblich diesen im Dokument zu beschreiben. Johann Wolfgang war demnach „von Statur einen Ellen hoch, jedoch ohne Peruquen“ – also ungefähr 60cm groß und ohne Haare. Weiter heißt es, er habe „nackend und bloß“ bei der Ausstellerin des Gesellenbriefs Zuflucht suchen müssen und sei von ihr mit „Windeln, Stopfläppchen und was zu solcher Kleidung gehört versehen worden“. Außerdem habe sie ihren „Mittmeister“ gebeten, diesen Gesellen in der Werkstatt zu behalten und zu fördern.

Das Rätsel löst sich, wenn man sich die Namen der Ausstellerin und ihres „Mitmeisters“ anschaut. Die Ausstellerin, Anna Christiana Hoffmann, und ihr Mitmeister, der Sattler Martin Hoffmann, haben nämlich denselben Nachnamen wie der hier beschriebene Geselle. Der Geselle ist der kleine Sohn des Ehepaares Hoffmann, der beim Verfassen des Gesellenbriefs gerade „dreyviertel Jahr und zwey Tag alt“ war.

Der kleine Johann Wolfgang wurde an diesem Mittwoch, den 16. Februar 1779 in der Stadtkirche getauft. Als Paten fungierten sein Stiefgroßvater Johann Zacharias Beck aus Bayreuth, ebenfalls Sattler, und der Bürgermeister Zehgruber von Alt-Erlangen. Vielleicht handelt es sich bei diesem Gesellenbrief also um ein humorvolles Taufgeschenk.

Tatsächlich ergriff Johann Wolfgang später wirklich den Beruf seines Vaters und wurde selbst Sattler. Er starb 1826 in Bayreuth.

Der Lindenbecher

Objekt des Monats Okt 2020

Ein unscheinbarer, hölzerner Becher, gerade einmal neun Zentimeter hoch. Darauf sind die Initialen „P. v. W.“ und die Jahreszahl „1849“ zu lesen. Auf den ersten Blick scheint dieses Stück aus der Sammlung des Historischen Museums nicht mehr zu sein als ein alter Becher, aber wie so oft verbirgt sich hinter diesem Museumsobjekt eine größere Geschichte.

Interessanter wird der Becher schon, wenn man erfährt, dass die Initialen zu seiner königlichen Hoheit, Herzog Philipp von Württemberg gehörten, der diesen Becher 1849 in Auftrag gab. Noch spannender wird es, wenn man den Grund dafür erfährt: Dieser Becher ist alles, was von der mächtigen, etwa 800 Jahre alten Donndorfer Linde übriggeblieben ist.

Die Donndorfer Linde bot einen beeindruckenden Anblick. Der preußische Offizier Jobst Christoph Ernst von Reiche beschrieb den Baum 1796 mit großer Ehrfurcht:

„Ganz nahe vor diesem Dorfe stellte die allmächtige Hand Gottes einen Lindenbaum hin, dessen Stamm von so weitem Umfange, der so hoch und mit so vielen mächtigen Ästen versehen ist, daß sie derjenigen Hand stillstehend trotzen würde, die frech genug seyn könnte, ihr ohnmächtiges Fällbeil an ihre Wurzel zu legen.“

Der Baum hatte aber noch viel mehr Verehrer: Schon Magister Johann Will aus Creußen pries 1692 in seinem Buch vom „Teutschen Paradeis“ die „schattenreiche Linde“. Reiseschriftsteller von der Romantik bis zum Biedermeier rühmten sie als einen der letzten jener heiligen Bäume, die noch von den „Druiden“ verehrt wurden. Der Geograf Leonardi gab 1790 den Umfang des legendären Baums mit 16 m, die Höhe mit 30 m an.

Am 10. Juli 1849 riss ein Sturm den letzten Ast des schon arg mitgenommenen Baums ab. Der damals noch junge Herzog Philipp von Württemberg, der damals mit seinem Vater in Schloss Fantaisie lebte und auf dessen Grundstück die Linde stand, ließ aus dem Ast schließlich diesen Erinnerungsbecher drehen. Am Ende hatte der bereits zitierte Offizier von Reiche rechtbehalten: „nur das Wetter ist vermögend, einen beträchtlichen Schaden ihr zuzufügen.“